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errare humanum est sed in errore perseverare stultum

  • Autorenbild: Ivory B. Blue
    Ivory B. Blue
  • 21. Feb.
  • 2 Min. Lesezeit

Zensur? Aber mit Nichten - wir sind ja nicht im Alten Rom! Vom größten Kunststück des Neuen Roms, hätte nicht einmal Cato der Ältere geträumt: Vor aller Augen wird das wörtlich ausgesprochene Zensurvorhaben der Mächtigen schlicht und beharrlich abgestritten. (Wie ein Kind, beim Schummeln ertappt, sich nicht anders verhalten würde - ich weiß genau wovon ich spreche).  Wie wurde der Weg dahin gepflastert? Über „Community-Standards-Anpassung“,„Desinformations- eindämmung“ und ganz sachlich durch „Moderation auf Basis neuester wissenschaftlicher Evidenzlage“. So wird heute geregelt und der Schützling, der denkunfähige User vor fatalen Irrtümern bewahrt. Die alten Römer waren da direkter: Sie sagten einfach „damnatio memoriae“ und kratzten den Namen des Unperson gewordenen aus den Steinplatten.  Heute löscht man nur den Account oder shadow-bant die Reichweite. 


Die neue Zensur unterscheidet sich von der alten vor allem dadurch, daß sie sich selbst für das genaue Gegenteil hält. (Wie damals die Mächtigen wussten, dass sie mächtig sind, käme das anzunehmen den heutzutage Mächtigen im progressivsten Deutschland aller Zeiten, nicht im entferntesten in den Sinn).  Früher wußten die Zensoren genau, daß sie zensierten – und sie schämten sich dessen nicht einmal besonders. Das Amt des Zensors war hoch angesehen.  So liegt es vielleicht nahe, dass sich heutige Zensurorgane für tapfere Verteidiger der freien Meinungsäußerung halten, während sie dieselbe gerade in 17 verschiedenen Sprachen und 43 verschiedenen Tonlagen gleichzeitig strangulieren. „Wir zensieren nicht – wir kuratieren die Diskurslandschaft zum Wohle aller!“ Ein Arsenal an Euphemismen dieser Art liegen mir auf der Zunge, aber ich will damit nicht ermüden.  Heute geht es viel eleganter vonstatten. Man lässt Sie sprechen – aber man sorgt liebevoll dafür, daß ihre Worte in einem akustisch abgeschirmten Paralleluniversum verhallen, in dem nur noch drei Bots und ein besonders hartnäckiger Follower zuhören.  Wenn Sie, mein geschätzter Leser also das nächste Mal wieder eine dieser Community Notes erhalten (kein finsterer Zensor mit schwarzem Umhang) - ein buntes Kollektiv aus hochqualifizierten, diversitätsgeschulten Seelenhygienikern, die mit tränenerstickter Stimme flüstern: „Wir haben beschlossen, daß deine (freilich duzt man kumpaneiisch) Worte die öffentliche Gesundheit, das Klima, die Demokratie, die Inklusion und das Wohlergehen von mindestens sieben identifizierten Minderheiten gefährden könnten. Daher gewähren wir dir gnädigst das Privileg, in Zukunft noch mit dir selbst zu sprechen“ - dann wissen Sie - hier waltet feinfühlige Meinungsfreiheit.  Rom 2.0 hat gesprochen, der digitale Paria ist identifiziert und in Schach gehalten. Die Zensur ist damit überwunden - es lebe die Reichweitenoptimierung zum Wohle der Gemeinschaft! Wenn meine Worte ein Risiko für das empfindsame Seelenklima darstellen, weiß ich, ich habe alles richtig gemacht.  Das schönste dabei: ich hätte nie gedacht, mich dem Papst einmal so nahe zu fühlen.  Rom war vielleicht niemals so vom Tisch, wie bisher angenommen.



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Inhaltlich verantwortlich: Julia B. Jung

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