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Das Lazarett der Aufarbeiter

  • Autorenbild: Ivory B. Blue
    Ivory B. Blue
  • 21. Feb.
  • 2 Min. Lesezeit

Der gegenwärtige Teilnehmer am Projekt „Deutsches Land für alle“ kann aufatmen: Die progressive Zivilgesellschaftspädagogik hat - die schon von Goethe mit Geringschätzung versehene Lazarett-Poesie überwunden! Heute entfaltet sich im sakralen Duktus und grafischen Hochglanzerzeugnissen die verdichtete neue „deutschsseinende“ Lyrik. Drei Silben mit dem entsprechenden Verve vertont genügen - man ist ja bescheiden. Nicht ausgeschlossen, dass ein mit treffender Betonung ausgesprochenes „Nie“ und einem allein gedachten „wieder“ dem Aufarbeitungsweltmeister in seiner Lust an trockener Genügsamkeit ausreicht (das ist mit Geiz nicht zu verwechseln!), um zu fühlen, was er und sie und es und die und einfach alle zu fühlen haben. Fühlen Sie es auch? Lassen wir die Fühlis beiseite und kommen zu den KI festen Berechnungen organischer Gedanken: Grok bemängelt die Darstellung der Moraltapete im öffentlichen Wohnzimmer (25.01.2026) als anschlussfähig zu Verschwörungstheorien, kann gleichzeitig den Gedenktag vor „Enthusiasmus“ [sic!] kaum abwarten und zieht ihn einfach 2 Tage vor. Grok, wie gutdeutsch willst du sein? Grok: Ja! Dabei entpuppt sich heute die tyrtäische Dichtung (Goethes Gegenentwurf zur Lazarett-Poesie) als die des Oppositionellen - hier, wie überall, wo der Konformismus gescheut, das (Zwangs-) Kollektiv gemieden und statt dem Kult, das kultivierte genussfähige und genussvolle Leben gefeiert wird. Die Unfähigkeit zum Selben ist vielleicht der äußerste Hinweis auf das Psychotische. (Bei aller Differenzen Lacans, Freuds & Co lässt sich das als gut begründbare Behauptung der Psychoanalyse entnehmen). Die Grenzen zwischen Neurose, Psychose und unhaltbarem Wahn sind weniger klar. Sie erinnern an die des Gesamtkonstrukts Deutschlands. Leicht sind sie übertretbar (gewiss auch grabbelnd und kullernd gut möglich). Andererseits kam einem das dereinst lebensgefährlich zu stehen, bisweilen bleibt es lediglich teuer. Die Rede ist von der Wegzugsbesteuerung - denn das grenzenlose Gebilde (= Gebilde ohne tatsächliche Grenze) kann stolz auf sein § 6 Außensteuergesetz (AStG) sein. Wenn es eine Innensteuer gibt, soll es der Balance wegen auch eine Außensteuer geben, so viel Gerechtigkeit wird ja wohl möglich sein! Steuererfinder und Gesetzte Erdichter - das ist aus den Dichtern und Denkern geworden, für die sie sich freilich noch immer halten. Aber wovon soll hier denn bitte die Rede sein? Wer sie von außenwärts überschreitet wird mit Kuscheltieren, Obdach und zahnärztlichen rundum Versorgungen bedacht. Es ist - wie bereits erwähnt nicht Geiz, was den Gutdeutschen antreibt. Weitere Beweise für den zivilpädagogischen Erfolg im Zeitalter der zensurlosen Meinungsfreiheits-Regulierung, weißer Lügen und schwarzen (dem unendlichen Vakuum des Universums gleichen) Köpfen der Zivilgesellschaft (= alles was nicht im geringsten angeschwefelt ist), von Bedarf? Keine Sorge - die werden nachgereicht, denn der Fortschritt macht auch beim Erinnerungskult nicht halt. Freuen wir uns also heute schon auf den 27.01.2027 - gewiss lässt sich doch aus dieser so herrlich rein klingenden Zahl etwas anfangen.

Ich bleibe nicht gespannt und werde mich jetzt von Sonne, Regen oder einer anderen Sinnlichkeit über all das hinweg freuen.



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Inhaltlich verantwortlich: Julia B. Jung

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